Matthias Egger, Oliver Razum, Anita Rieder, Lukas Fenner, Lotte Habermann-Horstmeier
Die Geschichte von Public Health ist geprägt von einem langfristigen Wandel im Verständnis von Gesundheit, Krankheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihre Wurzeln reichen bis in die Antike zurück, als Krankheitsausbrüche zwar häufig als göttliche Fügung interpretiert wurden, dennoch aber bereits grundlegende Maßnahmen der Hygiene, Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung umgesetzt wurden. Diese frühen Interventionen basierten auf der Miasma-Theorie, nach der Krankheiten durch „verdorbene Luft“ verursacht würden – ein Konzept, das sich etwa im Begriff Malaria („schlechte Luft“) widerspiegelt.
Im Mittelalter führte der Schwarze Tod zu tiefgreifenden sozialen, politischen und gesundheitlichen Umbrüchen und trug dazu bei, kollektive Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung zu etablieren. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verschärften sich die gesundheitlichen Probleme in den rasch wachsenden Städten. Gleichzeitig entwickelte sich Public Health zunehmend als eigenständiges Handlungsfeld, das zunächst stark ingenieurwissenschaftlich geprägt war, etwa durch Verbesserungen der Wohnverhältnisse, der Wasserversorgung und der Hygiene. Diese Maßnahmen führten bereits vor Einführung wirksamer Medikamente zu deutlichen Rückgängen der Mortalität, beispielsweise bei Tuberkulose.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die institutionelle Verankerung von Public Health zu, unter anderem durch die Einrichtung kommunaler Gesundheitsämter. Spätere Entwicklungen – etwa die Etablierung der primären Gesundheitsversorgung, die Verknüpfung von Gesundheit und Menschenrechten sowie jüngst die COVID-19-Pandemie – verdeutlichen, dass Public Health stets im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft steht und sich kontinuierlich an neue Herausforderungen anpassen muss.
Weiterführende Literatur und Internetquellen zur Geschichte von Public Health
Standardwerke zur Geschichte von Public Health
Rosen G, Morman ET. A history of public health. Expanded ed. Baltimore: Johns Hopkins Univ. Press; 1993. 535 p.
Porter D. Health, civilization and the state: a history of public health from ancient to modern times. London: Routledge; 2005. 376 p.
Frei zugängliches, ansprechendes Buchkapitel zur Geschichte von Public Health:
Tulchinsky TH, Varavikova EA, Cohen MJ. A History of Public Health. In: The New Public Health. Elsevier; 2023. p. 1–54.
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Akademische Artikel
Awofeso N. What’s new about the “new public health”? Am J Public Health. 2004 May;94(5):705–9.
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Niyi Awofeso zeichnet die Entwicklung der öffentlichen Gesundheit in sechs historischen Phasen nach – von der gesundheitlichen Schutzpolitik der Antike über die sanitäre Bewegung, die Seuchen- und Präventivmedizin sowie die Primärversorgung bis hin zur heutigen „New Public Health“, die auf Gesundheitsförderung ausgerichtet ist. Awofeso argumentiert, dass diese „neue“ Public Health weniger durch grundlegend neue Ideen gekennzeichnet ist als vielmehr durch die Weiterentwicklung und Kombination früherer Ansätze unter veränderten wissenschaftlichen, sozialen und menschenrechtlichen Bedingungen.
Semba RD. The Discovery of the Vitamins. International Journal for Vitamin and Nutrition Research. 2012 Oct;82(5):310–5.
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Avdulla CS, Tachirai N. John Snow: The Pioneer of Modern Epidemiology and Anesthesia. Cureus. 16(8):e67602.
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Vortrag zu Rudolf Virchow
Bauer AW. Die Medicin ist eine sociale Wissenschaft – Rudolf Virchow (1821-1902) als Pathologe, Politiker, Publizist.
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Proctor RN. The anti-tobacco campaign of the Nazis: a little known aspect of public health in Germany, 1933–45. 1996 Dec 7 [cited 2026 Jan 6]; Available from: Link
Zu diesem Thema eine Abbildung aus der Zeitschrift “Reine Luft”, 1941:

Roman von Patrick Deville
Im Mittelpunkt steht Alexandre Yersin, ein schweizerisch-französischer Arzt und Bakteriologe, der 1894 den Pesterreger (Yersinia pestis) entdeckte. Statt einer klassischen Biografie nutzt Deville Yersins Leben, um größere Zusammenhänge zu zeigen: die Entstehung der modernen Medizin, den europäischen Kolonialismus in Asien sowie wissenschaftlichen Ehrgeiz, Konkurrenz und Einsamkeit. Die Handlung führt durch Europa und Asien und folgt Yersins rastlosem Lebensweg.
Deville P. Pest & Cholera: Roman. Zürich: Unionsverlag; 2017. 234 p.
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Webseiten und Zeitungsartikel
Ottawa Charter for Health Promotion. First International Conference on Health Promotion, Ottawa, 1986.
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Declaration of Alma-Ata, USSR, 1978
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The James Lind Library – Illustrating the development of fair tests of treatments in health care The James Lind Library
Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 – Wikipedia
Albert Camus’ The Plague: a story for our, and all, times | Albert Camus | The Guardian
John Snow’s data journalism: the cholera map that changed the world | Cholera | The Guardian
Britain’s miraculous, life-saving garden shed – BBC Travel
Visualizing Data To Save Lives: A History of Early Public Health Infographics | The MIT Press Reader
Charité
Deutsches historisches Medizin-Drama, das im berühmten Berliner Universitätsklinikum Charité spielt. Jede Staffel ist in einer anderen historischen Epoche angesiedelt und verbindet medizinische Fortschritte mit persönlichen Schicksalen und politischen Umbrüchen, von Koch, Ehrlich und von Behring zur Medizin im Zeitalter von KI.
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