Matthias Egger, Franziska Krampe, Oliver Razum
Durch die Globalisierung werden wir zunehmend mit Problemen konfrontiert, die die Landesgrenzen überschreiten. Auch viele gesundheitspolitische Entscheidungen werden heute auf europäischer Ebene oder unter der Mitarbeit internationaler Organisationen getroffen. In diesem Kapitel betrachten wir Gesundheitsindikatoren sowie Krankheits- und Todesursachen im Hinblick auf das Bevölkerungseinkommen und die Entwicklung in verschiedenen Ländern. Wir analysieren die wichtigsten Faktoren, die die Gesundheit der Menschen in Ländern mit hohen und niedrigen Einkommen beeinflussen und beschäftigen uns schließlich mit den Strategien und Akteuren, welche die Globale Gesundheit heute prägen.
Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, ergänzende Abbildungen und Tabellen sowie weiterführende Internetquellen zum Thema.
10.1 Internationale Vergleiche
Gesundheitsindikatoren wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit oder Krankheitslast unterscheiden sich stark zwischen Ländern. Solche Vergleiche machen globale Ungleichheiten sichtbar – und zeigen, wo Fortschritte erzielt wurden und wo Belastungen besonders hoch bleiben. Für internationale Vergleiche werden Länder häufig nach Einkommensgruppen der Weltbank und nach Entwicklungsstatus der Vereinten Nationen klassifiziert. Einkommen und Entwicklung hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
- The World Bank. How does the World Bank classify countries?
- UN Trade and Development (UNCTAD). UN list of least developed countries.
- World Bank data portal for countries and economies. Browse World Development Health Indicators.
- World Health Organization (WHO). Countries Indicators.
- Institute of Health Metrics and Evaluation. Interactive data visuals. VizHub – GBD Compare.
- Our World in Data. Research and data to make progress against the world’s largest problems.
- National Cancer Institute. World (WHO 2000-2025) Standard Population.

10.2 Determinanten der globalen Gesundheit
Globale Gesundheitsunterschiede entstehen nicht zufällig. Sie hängen eng mit Armut, Ernährung, Bildung, Geschlechterverhältnissen, Konflikten, Umweltveränderungen, Migration und Pandemien zusammen. Armut erhöht Gesundheitsrisiken und erschwert den Zugang zur Versorgung, während Krankheit Armut weiter verschärfen kann. Mangelernährung schwächt die Abwehrkräfte und trägt wesentlich zur Kindersterblichkeit bei. Bildung beeinflusst Gesundheit über Wissen, Einkommen, Lebensbedingungen und Teilhabe; besonders wichtig ist die Bildung von Mädchen und Frauen. Auch Geschlechterungleichheit prägt Gesundheit, etwa über Bildungschancen, Einkommen, reproduktive Gesundheit und den Zugang zur Versorgung. Kriege verursachen nicht nur Verletzungen und Todesfälle, sondern zerstören auch Gesundheitssysteme und Infrastruktur. Klimawandel, Wasserknappheit und Biodiversitätsverlust belasten die Gesundheit zusätzlich. Migration kann anfangs mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sein, doch Diskriminierung und prekäre Lebensbedingungen können diese wieder aufheben. Die Covid-19-Pandemie hat schließlich die Verletzlichkeit von Gesundheitssystemen und die globale Ungleichheit beim Zugang zu Impfstoffen besonders deutlich gemacht.
- UN Department of Economic and Social Affairs. Poverty eradication.
- UNICEF DATA. Malnutrition in Children.
- UNICEF / WHO / World Bank Group. Joint Child Malnutrition Estimates.
- ETH Zürich. International Conflict Research.
- Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung. Konfliktbarometer 2024.
- UNHCR. Global Trends on forced displacement.
- The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Homepage Synthesis Report.
- IPCC Sixth Assessment Report. Chapter 7: Health, Wellbeing and the Changing Structure of Communities.
- World Health Organization (WHO). Coronavirus.
- University of Oxford. COVID-19 Government Response Tracker.
- EuroMOMO. European mortality monitoring.
10.3 Health for All: Strategien, Akteure und Setzung von Prioritäten
Globale Gesundheitspolitik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Primärversorgung, zielgerichteten Programmen, Gesundheitssystemstärkung und sektorübergreifendem Handeln. Internationale Organisationen, Fonds, Stiftungen und wissenschaftliche Netzwerke prägen dieses Feld maßgeblich. Ihre Beiträge ergänzen sich, werfen aber auch Fragen nach Prioritäten und Legitimität auf. Die Vision von Health for All macht deutlich, dass nachhaltige Verbesserungen nicht durch Einzelprogramme allein erreicht werden, sondern starke Gesundheitssysteme und politische Maßnahmen über den Gesundheitssektor hinaus erfordern. Während die Milleniumsziele (MDGs) globale Gesundheitsziele international sichtbar machten, verbinden die Sustainable Development Goals (SDGs) Gesundheit noch stärker mit sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Entwicklung. Dabei bleiben zentrale Zielkonflikte bestehen: kurzfristige Programme gegen einzelne Krankheiten oder langfristige Systemstärkung, philanthropischer Einfluss oder demokratische Legitimation, Krisenreaktion oder Prävention.
- UN Department of Economic and Social Affairs. The 17 Sustainable Development Goals.

- Sustainable Development Goal 1. End poverty in all its forms everywhere.
- Sustainable Development Goal 2. End hunger, achieve food security and improved nutrition.
- Sustainable Development Goal 4. Ensure inclusive and equitable quality education.
- The World Health Organization.
- The Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria.
- Bill & Melinda Gates Foundation.
- Gavi, the Vaccine Alliance.
- UNAIDS.
- IARC.
- The Union.
- European Commission. Global Health.
Die Regionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit ihren Regional Offices. Der Hauptsitz der WHO befindet sich in Genf.


Datei:World Health Organisation regional offices.svg – Wikipedia.
Literatur
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- Tomkins S, Saburova L, Kiryanov N, Andreev E, McKee M, Shkolnikov V, et al. Prevalence and socio-economic distribution of hazardous patterns of alcohol drinking: study of alcohol consumption in men aged 25-54 years in Izhevsk, Russia. Addiction. 2007 Apr;102(4):544–53.
- Leon DA, Saburova L, Tomkins S, Andreev E, Kiryanov N, McKee M, et al. Hazardous alcohol drinking and premature mortality in Russia: a population based case-control study. Lancet. 2007 Jun 16;369(9578):2001–9.
- GBD 2021 Diseases and Injuries Collaborators. Global incidence, prevalence, years lived with disability (YLDs), disability-adjusted life-years (DALYs), and healthy life expectancy (HALE) for 371 diseases and injuries in 204 countries and territories and 811 subnational locations, 1990-2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet. 2024 May 18;403(10440):2133–61.
- GBD 2021 Causes of Death Collaborators. Global burden of 288 causes of death and life expectancy decomposition in 204 countries and territories and 811 subnational locations, 1990-2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet. 2024 May 18;403(10440):2100–32.
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- Salomon JA, Wang H, Freeman MK, Vos T, Flaxman AD, Lopez AD, et al. Healthy life expectancy for 187 countries, 1990-2010: a systematic analysis for the Global Burden Disease Study 2010. Lancet. 2012 Dec 15;380(9859):2144–62.
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