Matthias Egger, Oliver Razum, Anita Rieder (Hrsg.)
Kap. 8.6 Atemwegserkrankungen und Allergien
Claudia Kuehni, Myrofora Goutaki, Philipp Latzin, Milo Puhan
Atemwegserkrankungen und Allergien gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen und stellen eine erhebliche Belastung für Individuen und Gesundheitssysteme dar. Zu den wichtigsten Atemwegserkrankungen zählen Asthma bronchiale, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie akute und chronische Infektionen der Atemwege. Allergische Erkrankungen, etwa allergische Rhinitis, allergisches Asthma oder Nahrungsmittelallergien, haben in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, insbesondere in industrialisierten Ländern.
Die Entstehung dieser Erkrankungen ist multifaktoriell. Neben genetischen Prädispositionen spielen Umwelt- und Lebensstilfaktoren eine zentrale Rolle. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Tabakrauch (aktiv und passiv), Luftverschmutzung, berufliche Expositionen und Innenraumbelastungen. Allergien stehen zudem möglicherweise in Zusammenhang mit veränderten mikrobiellen Expositionen im frühen Kindesalter (Hygienehypothese).
Atemwegserkrankungen und Allergien führen häufig zu einer eingeschränkten Lebensqualität, Leistungsminderung und erhöhten Krankheitskosten. Schwere Verlaufsformen sind mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden, insbesondere bei COPD und schweren Asthmaformen.
Aus Public-Health-Sicht sind Maßnahmen zur Reduktion von Tabakkonsum und Luftschadstoffen, Verbesserungen der Wohn- und Arbeitsbedingungen sowie frühzeitige Diagnose und adäquate Behandlung zentral. Bevölkerungsbezogene Strategien und individuelle Interventionen müssen dabei miteinander verzahnt werden, um die Krankheitslast nachhaltig zu reduzieren.
Web-Abb. Die Dunedin Cohort Study: Lungenfunktionsverlauf (FEV1%) seit Studienbeginn. Sichtbar wird das sog. Tracking, eine enge Korrelation zwischen der Lungenfunktion im Kindesalter und im späteren Leben.
SAPALDIA Kohorte: Eine Longitudinal-Studie von fast 10.000 Erwachsenen, die 1991 im Alter von 18 – 60 Jahren rekrutiert und seither nachverfolgt wurden
Leicestershire Kohorte: Eine Longitudinal-Studie von fast 10.000 Kindern, die seit 1990 fortlaufend rekrutiert und während mehrerer Zeitpunkte im Kindes-, Jugendlichen- und Erwachsenenalter nachverfolgt werden
Tasmanian Longitudinal Health Study (TAHS): Eine der weltweit ältesten prospektiven Geburtskohorten (Start 1961 in Australien), die den Lebensverlauf der Lungenfunktion sowie die Entstehung von Asthma und COPD untersucht und insbesondere den Einfluss früher Expositionen auf die spätere Atemwegsgesundheit analysiert.
European Community Respiratory Health Survey (ECRHS): Eine multinationale Kohortenstudie mit Erwachsenen aus zahlreichen europäischen Ländern, die seit den 1990er-Jahren Daten zu Asthma, Allergien, Lungenfunktion und Umweltfaktoren erhebt und wichtige Erkenntnisse zur Epidemiologie von Atemwegserkrankungen in Europa liefert.
ERS Monographien
Annesi-Maesano I, Lundbäck B, Viegi G, Welte T. Respiratory epidemiology. Sheffield: European respiratory society; 2014.