Philipp Jent, Heimo Lagler, Christian Gatterer, Christian Althaus, Cornelia Staehelin
Infektionskrankheiten entstehen durch das Eindringen von pathogenen Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilzen in den menschlichen Organismus. Zentrale Merkmale sind Infektiosität, Pathogenität und Virulenz, die beschreiben, wie leicht ein Erreger übertragen wird, ob er Krankheit verursacht und wie schwer der Krankheitsverlauf ist. Das Zusammenspiel von Erreger, Wirt und Umwelt bestimmt maßgeblich das Infektionsgeschehen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Übertragungswegen und der Übertragungsdynamik. Infektionen können direkt (z. B. Tröpfchen-, Kontakt- oder sexuelle Übertragung) oder indirekt (z. B. über Lebensmittel, Wasser, Vektoren oder kontaminierte Oberflächen) weitergegeben werden. Die Basisreproduktionszahl (R₀) dient als zentrales Maß zur Beschreibung der Ausbreitungsdynamik und gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Faktoren wie Inkubationszeit, Infektionsdauer und Immunität beeinflussen zusätzlich den Verlauf von Ausbrüchen.
Weitere grundlegende Begriffe zur Beschreibung des Auftretens von Infektionskrankheiten sind Endemie, Epidemie und Pandemie. Diese Konzepte sind essenziell, um Infektionsgeschehen einzuordnen, geeignete Präventions- und Kontrollmaßnahmen zu planen und die Bedeutung von Surveillance und Interventionen im Public-Health-Kontext zu verstehen.
Literaturquellen
- Nelson KE, Williams CM, editors. Infectious disease epidemiology: theory and practice. 3rd ed. Burlington, Mass: Jones & Bartlett Learning; 2014. 963 p.
- Heymann DL (editor). Control of Communicable Diseases Manual. American Public Health Association (APHA), 2015.
- Ballard S.-B., Blazes D. L. Applied Epidemiologie for Infectious Diseases Physician. In: Bennett JE, Dolin R, Blaser MJ, editors. Mandell, Douglas, and Bennett’s principles and practice of infectious diseases. Ninth edition. Philadelphia, PA: Elsevier; 2020.
- Webber R. Communicable diseases: a global perspective. Sixth edition. Wallingford, Oxfordshire ; Boston, MA: CABI; 2020.
- Giesecke J. Modern infectious disease epidemiology. Third edition. Boca Raton, FL: CRC Press; 2017.
- Vynnycky E, White RG. An introduction to infectious disease modelling. New York: Oxford University Press; 2010. 370 p.

Zusätzliche Abbildungen
Inkubationszeiten wichtiger Infektionskrankheiten.
Die roten Balken beschreiben den Zeitraum zwischen minimaler und maximaler Inkubationszeit. Der hellblaue Anteil zeigt davon den Bereich der am häufigsten beobachten Inkubationszeit.

Quelle: Gilles Wandelere, Kathrin Mühlemann.
Zeitlicher Verlauf der effektiven Reproduktionsrate R
Die Abbildung zeigt den zeitlichen Verlauf der effektiven Reproduktionsrate (R; s. Tab. 9.3 im Lehrbuch) einer Infektion innerhalb einer voll empfänglichen Population (oben) und einer Population, in der 30% der Personen gegen die Erkrankung immun sind (unten). Die Population besteht in diesem Beispiel aus jeweils 9 Personen. Empfängliche Personen sind grau, infizierte Personen sind rot (mit Kreuz = Indexfall, Ausgangspunkt der Infektion) und immune Personen sind blau eingezeichnet. Bei einer nicht vollempfänglichen Population steckt eine einzelne Person eine geringere Zahl an Personen an als in einer vollempfänglichen Population.

Quelle: Gilles Wandelere, Kathrin Mühlemann.
Zusätzliche Tabelle
Die von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC, Atlanta, USA) entwickelten und empfohlenen allgemeinen Schritte im Rahmen einer Epidemieabklärung.
- Überprüfung, ob es sich um eine Epidemie handelt
- Bestätigung der Diagnose durch mikrobiologische Untersuchungen
- Erstellen einer Falldefinition (klinisch und/oder mikrobiologisch)
- Sammeln von Fällen und Darstellung in einer Epidemiekurve
- Deskriptive Analysen der ersten Daten als Basis für Hypothesen (Punkt 6)
- Aufstellung von Hypothesen bezüglich möglicher Ursachen und Infektionsquellen
- Evaluierung der Hypothesen mit analytischen Methoden (Beispiel: Fall-Kontroll-Studie)
- Durchführung zusätzlicher epidemiologischer Umwelt- oder Labor-Studien (Beispiel: Screening möglicher Quellen)
- Entwicklung und Implementierung von Präventions- und Kontrollstrategien (Beispiel: Expositionsprophylaxe, Chemoprophylaxe, Impfung)
- Kommunikation der Resultate (Behörden, Öffentlichkeit)