Kapitel 1

Public Health: Zentrale Begriffe, Disziplinen und Handlungsfelder

Matthias Egger, Oliver Razum, Anita Rieder

Kap. 1.2 – Matthias Egger, Lukas Fenner

Kap. 1.6 – Matthias Egger, Lotte Habermann-Horstmeier

Kap. 1.7 – Albrecht Jahn, Nicole Probst-Hensch

Dieses einführende Kapitel des Lehrbuchs stellt die zentralen Begriffe, Disziplinen und Handlungsfelder von Public Health vor. Ein Blick in das 19. Jh. zeigt, dass Public Health zu Beginn überraschenderweise weniger mit der Medizin als mit dem Ingenieurwesen zu tun hatte. Die Geschichte macht auch verständlich, warum heute der englische Begriff ,Public Health’ auch im Deutschen gebräuchlich ist. Public Health und Medizin unterscheiden sich in ihrer Sicht auf Krankheit und Gesundheit. Anders als im medizinischen Denken steht in Public Health die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese) und nicht die Entstehung von Krankheit (Pathogenese) im Mittelpunkt. Zu den Kernthemen von Public Health gehört u. a. die gesundheitliche Ungleichheit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, z. B. die Ungleichheit im Zusammenhang mit der sozialen Schichtzugehörigkeit und dem Geschlecht. Bei vielen Public-Health-Fragen spielen auch ethische Aspekte eine Rolle. Während in der Medizinethik die Arzt-Patient-Beziehung im Mittelpunkt steht, ist es in der Public-Health-Ethik das Verhältnis zwischen den Institutionen und den BürgerInnen. Das Kapitel schließt mit einem kritischen Blick auf die Public Health Genomics und ihrem Versprechen einer individualisierten Prävention.

Alte Schweizerische Lernziele: CPH 1–3, CPH 28–34

Profiles: GO 1.19, GO 1.21, GO1.23, GO4.1, GO 6.6, GO 7.6, EP 4.3

Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, ergänzende Abbildungen sowie weiterführende Internetquellen zum Thema.

Literaturquellen

  • Brand A. Public Health Genomics— public health goes personalized?  Eur J Public Health 2011; 21 (1): 2-3
  • Gerhardus A, Breckenkamp J, Razum O, Schmacke N, Wenzel H. (Hg.) Evidence-based Public Health. Bern: Verlag Hans Huber (jetzt: Hogrefe Verlag), 2010
  • Gilbert E W. Pioneer map and health and disease in England. Geographical Journal 1958; 124(2): 172–183
  • Habermann-Horstmeier L. Public Health. Bd. 1 Kompaktreihe Gesundheitswissenschaften. Bern: Hogrefe Verlag, 2017
  • Hall, A. Public health in an era of genome-based und personalised medicine, PHG Foundation, Cambridge, 2010; http://www.phgfoundation.org/reports/6617/
  • Hurrelmann K, Razum O (Hrsg.). Handbuch der Gesundheitswissenschaften. Weinheim: Beltz Juventa, 6. Aufl. 2016
  • Koch R. Die Aetiologie der Tuberkulose. Berl Klin Wschr 1882; 19:221-230
  • Landolt C. Die Wohnungs-Enquête in der Stadt Bern vom 17. Februar bis 11. März 1896 : im Auftrage der städtischen Behörden bearb. von Carl Landolt. Bern: Komm. Neukomm & Zimmermann; 1899
  • Mosse M, Tugendreich G. Krankheit und Soziale Lage, 1913
  • Murphy S, Egger M. Studies of the social causes of tuberculosis in Germany before the First World War: extracts from Mosse and Tugendreich’s landmark book. Int J Epidemiol 2002; 31(4): 742-749
  • Slesina W. Primordiale, primäre, sekundäre und tertiäre Prävention. Dtsch med Wochenschr 2007;132 (42): 2196–2198. DOI: 10.1055/s-2007-991628
  • Spoerri A, Zwahlen M, Egger M, Gutzwiller F, Minder C, Bopp M. Educational inequalities in life expectancy in German speaking part of Switzerland 1990-1997: Swiss National Cohort. Swiss Med Wkly 2006; 136(9-10): 145-148
  • Schwartz FW (Hrsg.). Public Health: Gesundheit und Gesundheitswesen. München, Jena: Urban & Fischer, 3. Aufl. 2012
  • World Health Organization. Global tuberculosis report 2016. World Health Organization Document. 2016; http://www.who.int/tb/publications/global_report/en/
  • Zürcher K, Ballif M, Zwahlen M, Rieder HL, Egger M, Fenner L. Tuberculosis mortality and living conditions in Bern, Switzerland, 1856-1950. PLoS One. 2016;11(2):e0149195; http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0149195

Empfohlene Vertiefungsliteratur

  • Antonovsky, A. Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Erweiterte deutsche Ausgabe von A. Franke. Tübingen: Dgvt-Verlag, 1997.
  • Der Eid des Hippokrates; http://de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates
  • Franke, A. Modelle von Gesundheit und Krankheit. Bern: Verlag Huber (jetzt: Hogrefe Verlag), 3. Aufl. 2012
  • Lindstrom, B. Contextualizing salutogenesis and Antonovsky in public health development. In: Health Promotion International, 2006: 21(3): 238–244. DOI: 10.1093/heapro/dal016
  • Hurrelmann K, Laaser U, Razum O. Entwicklung und Perspektiven der Gesundheitswissenschaften in Deutschland. In: Hurrelmann K, Razum O (Hg.). Handbuch Gesundheitswissenschaften. 5. Auf. Weinheim: Beltz Juventa, 2012
  • Proctor, RN. Blitzkrieg gegen den Krebs. Gesundheit und Propaganda im Dritten Reich. Stuttgart: Klett Cotta, 2002
  • WHO Commission on Social Determinants and Health. Final report. Closing the gap in a generation. Health equity through action on the social determinants of health. Erhältlich unter http://www.who.int/social_determinants/thecommission/finalreport/en/index.html
  • Rippe KP, Faisst K, Chastonay P. Medizinische Ethik. In: Gutzwiller F, Paccaud F. Sozial- und Präventivmedizin – Public Health. Bern: Hans Huber, 2007.

Zusätzliche Abbildungen

 (1)    Ergänzende Abbildung zu Kap.1.2 Geschichtliche Notizen

Quelle: Zeitschrift „Reine Luft“, 1941

Zusätzliche Tabellen

(1)    Ergänzende Tabelle zu Kap. 1.5  Ansatzpunkte der Prävention

Web-Tab. 1.5.1 Vergleich von Hochrisiko- und Bevölkerungsstrategie in der kardiovaskulären Primärprävention bei britischen Männern. Die Tabelle zeigt die prozentuale Senkung der Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse bei medikamentöser Behandlung von Männern mit hohem Risiko (Hochrisikostrategie) und die Verschiebung der Risikofaktorenverteilung bei allen Männern (Bevölkerungsstrategie).

Web-Abb-1.5

16 % aller Männer werden behandelt; 226 % aller Männer werden behandelt; 350 % aller Männer werden behandelt; 4Die individuellen Werte aller Männer werden um denselben Prozentsatz reduziert

Die Berechnungen basieren auf den Werten von 5.997 Männern ohne kardiovaskuläre Erkrankung mit Durchschnittsalter 50 Jahre der British Regional Heart Study. Zu den kardiovaskulären Ereignissen zählen akute Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie kardiovaskuläre Todesfälle.

Quelle: Emberson J et al. Evaluating the impact of population and high-risk strategies for the primary prevention of cardiovascular disease. European Heart Journal 2004; 25: 484-491.

Internetquellen zum Thema

Aus der Schweiz

Aus Deutschland und Österreich

Internationale Links

(All accessed 5th July 2018)