Kap. 8.1 Chronische Krankheit und Behinderung

Lotte Habermann-Horstmeier, Matthias Egger

Chronische Krankheiten sind langfristige, meist nicht heilbare Erkrankungen mit kontinuierlichem oder wiederkehrendem Verlauf. Sie entstehen durch oft irreversible Prozesse und tragen wesentlich zur Krankheitslast bei. Dazu zählen insbesondere nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes. Diese verursachen weltweit einen Großteil der Todesfälle (ca. 75 %) und beeinträchtigen stark Lebensqualität und Lebenserwartung.

Ein wichtiger Aspekt ist die Multimorbidität, also das gleichzeitige Auftreten mehrerer chronischer Erkrankungen. Sie nimmt mit dem Alter zu, betrifft aber auch jüngere Menschen und erschwert die Behandlung, etwa durch Polypharmazie.

Der Begriff Behinderung hat sich im Laufe der Zeit verändert:

  • Früher unterschied die WHO zwischen Schädigung (Impairment), Beeinträchtigung (Disability) und Behinderung (Handicap).
  • Heute steht mit der ICF (2001) ein biopsychosoziales Modell im Vordergrund, das neben körperlichen Funktionen auch Aktivitäten, Teilhabe und Umweltfaktoren berücksichtigt.
  • Die UN-Behindertenrechtskonvention betont, dass Behinderung aus dem Zusammenspiel von individuellen Beeinträchtigungen und gesellschaftlichen Barrieren entsteht.

Menschen mit Behinderungen bilden eine sehr heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Bedürfnissen, was in Forschung und Praxis oft noch unzureichend berücksichtigt wird. In Deutschland ist Behinderung auch rechtlich relevant: Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt man als schwerbehindert und hat Anspruch auf bestimmte Unterstützungsleistungen. Abschließend wird deutlich, dass Menschen mit Behinderungen häufig mit Versorgungsdefiziten und Ungleichheiten konfrontiert sind (z. B. im Gesundheitssystem), und dass es weiterhin Daten- und Forschungsbedarf gibt.

Internationale Organisationen und Klassifikationen

Nationale Quellen

Lehrbücher