Kap. 8.8 Public Mental Health

Thomas Niederkrotenthaler, Benedikt Till

Public Mental Health befasst sich mit der Förderung psychischer Gesundheit, der Prävention psychischer Erkrankungen sowie der Verbesserung der Versorgung und Teilhabe von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen auf Bevölkerungsebene. Psychische Gesundheit wird dabei nicht nur als Abwesenheit von Krankheit verstanden, sondern als Zustand des Wohlbefindens, in dem Menschen ihre Fähigkeiten entfalten, mit Alltagsbelastungen umgehen und produktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Psychische Erkrankungen sind häufige Ursachen für Krankheitslast und beeinträchtigte Lebensqualität. Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen tragen erheblich zu verlorenen gesunden Lebensjahren (DALYs) bei und sind oft mit somatischen Erkrankungen, sozialer Ausgrenzung und erhöhter Mortalität assoziiert. Die Entstehung psychischer Erkrankungen wird durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren beeinflusst, darunter soziale Ungleichheit, Arbeitsbedingungen, Bildung, frühe Lebensphasen sowie belastende Lebensereignisse.

Public Mental Health verfolgt daher einen interdisziplinären und lebensverlaufsorientierten Ansatz. Neben individueller Prävention spielen bevölkerungsbezogene Strategien eine zentrale Rolle, etwa die Verbesserung sozialer Rahmenbedingungen, der Abbau von Stigmatisierung sowie die Förderung psychischer Gesundheit in Settings wie Schule, Arbeitsplatz und Gemeinde. Darüber hinaus sind eine bedarfsgerechte Versorgung, Früherkennung und der gleichberechtigte Zugang zu Unterstützungsangeboten entscheidend. Psychische Gesundheit ist ein zentrales Public-Health-Thema, dessen Förderung nicht allein Aufgabe des Gesundheitssystems ist, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung darstellt.

Internationale Organisationen

Quelle: OECD & European Union. Health at a Glance: Europe 2022.

Nationale Quellen

Literaturquellen

Zusätzliche Tabelle

 Web-Tab. Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und psychischer Belastung in der Schweiz, unterschieden nach Geschlecht und Alter. Die Prozentzahlen geben den Anteil der Männer bzw. Frauen in der jeweiligen Altersgruppe an, der sich als psychisch belastet beschreibt.

Quelle: Schweizer Gesundheitsbefragung 2007.

Lehrbücher