Kap. 8.9 Unfälle

Steffen Niemann, Anke-Christine Saß

Unfälle stellen ein zentrales, häufig unterschätztes Public-Health-Problem dar. Sie gehören in vielen Ländern zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle, Verletzungen und bleibende Behinderungen und führen zu erheblichen Verlusten an gesunden Lebensjahren. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene sowie ältere Menschen. Neben der Mortalität verursachen Unfälle eine hohe Morbidität und erhebliche soziale sowie ökonomische Folgekosten für das Gesundheits- und Sozialsystem.

Unfälle sind keine zufälligen Ereignisse, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens von individuellen, technischen, sozialen und umweltbezogenen Faktoren. Häufige Unfallarten sind Verkehrsunfälle, Stürze, Haushalts- und Freizeitunfälle sowie Arbeitsunfälle. Das Risiko variiert stark nach Alter, Geschlecht, sozialem Status und Lebensumfeld. So sind Männer häufiger von tödlichen Unfällen betroffen, während Stürze im höheren Lebensalter eine zentrale Ursache für Pflegebedürftigkeit darstellen.

Wirksame Präventionsmaßnahmen setzen auf mehreren Ebenen an: durch sichere Gestaltung von Verkehrs- und Lebensräumen, gesetzliche Regelungen und technische Schutzmaßnahmen, Aufklärung und Verhaltensprävention sowie gezielte Maßnahmen für Risikogruppen. Erfolgreiche Unfallprävention erfordert daher interdisziplinäre Ansätze und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Gesundheitswesen, Verkehr, Arbeitsschutz und Stadtplanung.

Internationale Organisationen

Nationale Quellen

In Deutschland werden Todesfälle durch Unfälle, Gewalt und Selbstverletzung in der jährlich veröffentlichten Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes ausgewiesen. Detaillierte Informationen zu Verkehrsunfällen (Straßen-, Schienen- und Luftverkehr) liefert die ebenfalls jährlich erscheinende Verkehrsunfallstatistik desselben Amtes. Arbeits- und Wegeunfälle werden von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung für alle versicherten Personengruppen erfasst; diese Daten werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aufbereitet und im Bericht zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit veröffentlicht. Eine Gesamtabschätzung des Unfallgeschehens in Deutschland, die sowohl tödliche als auch nichttödliche Unfälle umfasst, wird jährlich von der BAuA unter Einbezug verschiedener Datenquellen erstellt.
Für die Schweiz werden Unfälle auf Grundlage des Unfallversicherungsgesetzes systematisch erfasst und umfassen Berufs-, Verkehrs-, Sport-, Haus- und Freizeitunfälle; ergänzend existieren Daten aus der medizinischen Statistik der Krankenhäuser, von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) sowie zu polizeilich registrierten Verkehrsunfällen beim Bundesamt für Strassen (ASTRA), wobei insbesondere bei Alleinunfällen eine Dunkelziffer zu berücksichtigen ist.
In Österreich stehen Unfalldaten unter anderem über das Kuratorium für Verkehrssicherheit sowie zu Arbeitsunfällen über Statistik Austria zur Verfügung.

Ausgewählte Literatur

Lehrbücher und Berichte

Zusätzliche Abbildungen

Schätzung zum Gesamtunfallgeschehen in Deutschland (2015)

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt und in der Freizeit; Verkehrsunfälle machen nur einen relativ kleinen Anteil aus.
Die Verteilung ist bis heute weitgehend unverändert.

Quelle: BAuA – baua: Fakten – Unfallstatistik 2015 – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

 

Todesfälle pro 100.000 Einwohner nach Weltbank-Einkommensgruppen und Unfallursache, 2023.

Eigene Darstellung basierend auf GBD-Daten.

Quelle: Global Burden of Disease Collaborative Network. Global Burden of Disease Study 2023 (GBD 2023) Results.
Seattle, United States: Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME), 2024. Available from https://vizhub.healthdata.org/gbd-results/ .

Getötete im Straßenverkehr – ein internationaler Vergleich (2014)

Quelle: Road Safety Annual Report 2025.

Verkehrstote im Vergleich zum linearen Trend seit 2014 (ohne 2020 und 2021) für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Quelle: Road Safety Annual Report 2025.