Steffen Niemann, Anke-Christine Saß
Unfälle stellen ein zentrales, häufig unterschätztes Public-Health-Problem dar. Sie gehören in vielen Ländern zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle, Verletzungen und bleibende Behinderungen und führen zu erheblichen Verlusten an gesunden Lebensjahren. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene sowie ältere Menschen. Neben der Mortalität verursachen Unfälle eine hohe Morbidität und erhebliche soziale sowie ökonomische Folgekosten für das Gesundheits- und Sozialsystem.
Unfälle sind keine zufälligen Ereignisse, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens von individuellen, technischen, sozialen und umweltbezogenen Faktoren. Häufige Unfallarten sind Verkehrsunfälle, Stürze, Haushalts- und Freizeitunfälle sowie Arbeitsunfälle. Das Risiko variiert stark nach Alter, Geschlecht, sozialem Status und Lebensumfeld. So sind Männer häufiger von tödlichen Unfällen betroffen, während Stürze im höheren Lebensalter eine zentrale Ursache für Pflegebedürftigkeit darstellen.
Wirksame Präventionsmaßnahmen setzen auf mehreren Ebenen an: durch sichere Gestaltung von Verkehrs- und Lebensräumen, gesetzliche Regelungen und technische Schutzmaßnahmen, Aufklärung und Verhaltensprävention sowie gezielte Maßnahmen für Risikogruppen. Erfolgreiche Unfallprävention erfordert daher interdisziplinäre Ansätze und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Gesundheitswesen, Verkehr, Arbeitsschutz und Stadtplanung.
Internationale Organisationen
- World Health Organization (WHO). Injuries and violence.
- World Health Organization (WHO). Preventing injuries and violence: an overview.
- World Health Organization (WHO). Road safety.
- World Health Organization (WHO). Global status report on road safety 2023.
- World Health Organization (WHO). Decade of Action for Road Safety 2021-2030.
- University of Washington. Institute for Health Metrics and Evaluation. Global Health Data Exchange.
- International Traffic Safety Data and Analysis Group (IRTAD). Homepage Road Safety Annual Report 2025.
- EuroSafe – the European Association for Injury Prevention and Safety Promotion. Working together to reduce the burden of home and leisure accidents in Europe.

Nationale Quellen
In Deutschland werden Todesfälle durch Unfälle, Gewalt und Selbstverletzung in der jährlich veröffentlichten Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes ausgewiesen. Detaillierte Informationen zu Verkehrsunfällen (Straßen-, Schienen- und Luftverkehr) liefert die ebenfalls jährlich erscheinende Verkehrsunfallstatistik desselben Amtes. Arbeits- und Wegeunfälle werden von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung für alle versicherten Personengruppen erfasst; diese Daten werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aufbereitet und im Bericht zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit veröffentlicht. Eine Gesamtabschätzung des Unfallgeschehens in Deutschland, die sowohl tödliche als auch nichttödliche Unfälle umfasst, wird jährlich von der BAuA unter Einbezug verschiedener Datenquellen erstellt.
Für die Schweiz werden Unfälle auf Grundlage des Unfallversicherungsgesetzes systematisch erfasst und umfassen Berufs-, Verkehrs-, Sport-, Haus- und Freizeitunfälle; ergänzend existieren Daten aus der medizinischen Statistik der Krankenhäuser, von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) sowie zu polizeilich registrierten Verkehrsunfällen beim Bundesamt für Strassen (ASTRA), wobei insbesondere bei Alleinunfällen eine Dunkelziffer zu berücksichtigen ist.
In Österreich stehen Unfalldaten unter anderem über das Kuratorium für Verkehrssicherheit sowie zu Arbeitsunfällen über Statistik Austria zur Verfügung.
- Robert Koch-Institut (RKI). Unfälle.
- Statistisches Bundesamt (Destatis). Verkehrsunfälle in Deutschland.
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Prävention.
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Prävention.
- Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR). Verkehrssicherheitsprogramme.
- Mobilitätsforum Bund. Forschung zur Verkehrssicherheit. Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Strasse & Verkehr Sport & Bewegung Zuhause & Garten Gebäude & Anlagen.
- Schweizer Sportobservatorium. Niveau und Entwicklung der Sportunfälle und -verletzungen.
- Suva (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt). Unfallversicherung, Prävention und Rehabilitation.
- Geoportal des Bundes. Unfallkarten.
- Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Unfallforschung und Prävention.
- Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Prävention
Ausgewählte Literatur
- Haddon W. The changing approach to the epidemiology, prevention, and amelioration of trauma: the transition to approaches etiologically rather than descriptively based. 1968. Inj Prev. 1999;5: 231–235.
- Haagsma JA, Graetz N, Bolliger I, Naghavi M, Higashi H, Mullany EC, et al. The global burden of injury: incidence, mortality, disability-adjusted life years and time trends from the Global Burden of Disease study 2013. Inj Prev. 2016;22: 3–18.
- Franklin RC, Sleet DA. Injury prevention and health promotion: A global perspective. Health Promot J Austr. 2018;29: 113–.
- Wegman F. The future of road safety: A worldwide perspective. IATSS Research. 2017;40: 66–71.
- Ameratunga S, Hijar M, Norton R. Road-traffic injuries: confronting disparities to address a global-health problem. Lancet. 2006;367: 1533–1540.
- Cubbin C, Smith GS. Socioeconomic inequalities in injury: critical issues in design and analysis. Annu Rev Public Health. 2002;23: 349–375.
- Saß A-C, Poethko-Müller C, Rommel A, KiGGS Study Group. Das Unfallgeschehen im Kindes- und Jugendalter – Aktuelle Prävalenzen, Determinanten und Zeitvergleich. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2014;57: 789–797.
- Saß A-C, Kuhnert R, Gutsche J. Unfallverletzungen im Kindes- und Jugendalter – Prävalenzen, Unfall- und Behandlungsorte, Mechanismen. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2019;62: 1174–1183.
- Saß A-C, Kuhnert R, Gutsche J. Accident injuries of children and adolescents in Germany. Results of the cross-sectional KiGGS Wave 2 study and trends. J Health Monit. 2018;3: 50–55.
- Varnaccia G, Rommel A, Saß A-C. Das Unfallgeschehen bei Erwachsenen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2014;57: 604–612.
- Sass A-C, Stang A. Population-based incidences of non-fatal injuries – results of the German-wide telephone survey 2004. BMC Public Health. 2013;13: 376.
- Stevens JA, Sogolow ED. Gender differences for non-fatal unintentional fall related injuries among older adults. Inj Prev. 2005;11: 115–119.
Lehrbücher und Berichte
- Robertson LS. Injury Epidemiology. 4th ed. Oxford: Oxford University Press, 2022.
- Doll LS, Haas EN, editors. Handbook of injury and violence prevention. New York, NY: Springer; 2007.
- McClure R, Stevenson M, McEvoy S (editors). The Scientific Basis of Injury Prevention and Control. Melbourne: IP Communications, 2018.
- Elvik R, Hoye A, Vaa T, Sorensen M. The handbook of road safety measures. 2nd ed. Bingley, UK: Emerald; 2009.
- Bahr R, Engebretsen L, IOC Medical Commission, editors. Sports injury prevention. Chichester, UK ; Hoboken, NJ: Wiley-Blackwell; 2009.
- Bahr R, International Olympic Committee, editors. The IOC manual of sports injuries: an illustrated guide to the management of injuries in physical activity. Chichester, West Sussex, UK ; Hoboken, NJ: Wiley-Blackwell; 2012.
Zusätzliche Abbildungen
Schätzung zum Gesamtunfallgeschehen in Deutschland (2015)
Die meisten Unfälle passieren im Haushalt und in der Freizeit; Verkehrsunfälle machen nur einen relativ kleinen Anteil aus.
Die Verteilung ist bis heute weitgehend unverändert.

Quelle: BAuA – baua: Fakten – Unfallstatistik 2015 – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Todesfälle pro 100.000 Einwohner nach Weltbank-Einkommensgruppen und Unfallursache, 2023.
Eigene Darstellung basierend auf GBD-Daten.

Quelle: Global Burden of Disease Collaborative Network. Global Burden of Disease Study 2023 (GBD 2023) Results.
Seattle, United States: Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME), 2024. Available from https://vizhub.healthdata.org/gbd-results/ .
Getötete im Straßenverkehr – ein internationaler Vergleich (2014)

Quelle: Road Safety Annual Report 2025.
Verkehrstote im Vergleich zum linearen Trend seit 2014 (ohne 2020 und 2021) für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Quelle: Road Safety Annual Report 2025.