Kap. 10.1 Internationale Vergleiche

Matthias Egger, Franziska Krampe, Oliver Razum

Internationale Vergleiche zeigen, dass Gesundheit stark mit wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung verknüpft ist. Als Grundlage dienen dafür Klassifikationen von Ländern nach Einkommen und Entwicklungsstand, insbesondere die Einteilung der Weltbank in vier Einkommensgruppen (High, Upper Middle, Lower Middle und Low Income) sowie die Einstufung der Vereinten Nationen zu den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries). Diese Kategorien ermöglichen systematische Vergleiche gesundheitlicher Indikatoren.

Zentrale Gesundheitsindikatoren sind Mortalität, Lebenserwartung, gesunde Lebenserwartung sowie die Krankheitslast oder Burden of Disease, gemessen in Disability-Adjusted Life Years (DALYs). Länder mit hohem Einkommen weisen eine hohe Lebenserwartung und eine vergleichsweise geringe Krankheitslast auf, während Länder mit niedrigem Einkommen deutlich höhere Mortalitätsraten und DALYs verzeichnen.

Besonders anschaulich werden diese Unterschiede bei der Kinder- und Säuglingssterblichkeit. Zwar ist die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren seit 1990 weltweit deutlich gesunken, doch bestehen weiterhin große absolute und relative Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern. In Ländern mit niedrigem Einkommen dominieren vermeidbare Ursachen wie Infektionskrankheiten, Mangelernährung und Komplikationen rund um Geburt und Neugeborenenperiode, während in Ländern mit hohem Einkommen chronische und perinatale Ursachen im Vordergrund stehen.