Kap. 10.3 Health for All: Strategien, Akteure und Setzung von Prioritäten

Matthias Egger, Franziska Krampe, Oliver Razum

Die Initiative „Health for All“ geht auf eine Zielsetzung der Weltgesundheitsversammlung von 1977 zurück, wonach alle Menschen bis zum Jahr 2000 ein gesundes Leben führen sollten. Zentrale Grundlage war die Alma-Ata-Deklaration von 1978, die die Primäre Gesundheitsversorgung (Primary Health Care, PHC) als Kernstrategie definierte. Gesundheit wurde dabei als grundlegendes Menschenrecht verstanden, dessen Förderung nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch soziale, ökonomische und politische Rahmenbedingungen umfasst.

In der Folge entwickelte sich eine intensive Debatte über geeignete Strategien zur Verbesserung der globalen Gesundheit. Vertikale Programme, die sich auf einzelne Krankheiten konzentrieren, erwiesen sich ebenso wie vereinfachte PHC-Ansätze als unzureichend, um komplexe Gesundheitsprobleme nachhaltig zu lösen. Stattdessen betont das Kapitel den Aufbau leistungsfähiger Gesundheitssysteme mit einer starken PHC-Basis, ergänzt durch Gesundheitsförderung und Prävention. Entscheidend sind zudem sektorübergreifende Maßnahmen, insbesondere zur Armutsbekämpfung, da soziale Determinanten maßgeblich die Gesundheit beeinflussen.

Zur Prioritätensetzung trugen internationale Zielsysteme wesentlich bei. Die Millennium Development Goals (MDGs) machten Gesundheit zu einem zentralen Element globaler Entwicklungspolitik und führten zu messbaren Fortschritten, etwa bei Kinder- und Müttersterblichkeit. Mit der Agenda 2030 und den Sustainable Development Goals (SDGs) wurde dieser Ansatz weiterentwickelt und in einen umfassenden Rahmen nachhaltiger Entwicklung eingebettet.