Kap. 4.2 Gesundheitsverhalten und Lebensstile

Thomas E. Dorner, Matthias Egger, Lotte Habermann-Horstmeier

Ebenso wie in anderen Bereichen können sich Menschen auch in Bezug auf ihre Gesundheit unterschiedlich verhalten. Solches Gesundheitsverhalten kann sich positiv oder negativ auf die Gesundheit auswirken. Selbst Verhaltensweisen, die nicht direkt auf die Gesundheit eines Menschen ausgerichtet sind, können die Gesundheit beeinflussen: So kann sich Stress z.B. entscheidend auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität eines Menschen auswirken. Der Erwerb von Gesundheitskompetenz, d.h. von individuellen Fähigkeiten, die es ermöglichen, förderlich mit der eigenen Gesundheit und der Gesundheit Anderer umzugehen, kann zu einem persönlichen Gesundheitsgewinn und einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Gesundheit führen.

Nachdem wir uns verschiedene Erklärungsmodelle des Gesundheitsverhaltens angeschaut haben, betrachten wir jeweils kurz die wichtigsten Gesundheitsverhaltensweisen, die sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken: Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholmissbrauch, Rauchen und Stress. Sie sind meist Teil eines gesundheitsrelevanten Lebensstils und können erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen haben. Zur Umsetzung von Lebensstiländerungen bedarf es einer entsprechenden Gesundheitskompetenz.

Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, zusätzliches Web-Boxen und -Tabellen sowie weiterführende Internetquellen zu den Themen.

Lehrbücher

Klassische Artikel und Berichte

Weiterführende Literatur zu Rauchen und Nikotin

Box. Zehn Prozesse der Verhaltensänderung im Transtheoretischen Modell (TTM)

Das Transtheoretische Modell nach Prochaska und DiClemente beschreibt neben den fünf Stadien der Verhaltensänderung zehn sogenannte Prozesse der Veränderung. Diese Prozesse bezeichnen kognitive, affektive und verhaltensbezogene Strategien, die Personen dabei unterstützen, von einer Motivationsstufe zur nächsten zu gelangen. Sie sind nicht strikt stadiengebunden, werden jedoch je nach Phase unterschiedlich häufig eingesetzt. In frühen Stadien (Absichtslosigkeit, Absichtsbildung) dominieren kognitive und affektive Prozesse. In späteren Stadien (Vorbereitung, Handlung, Aufrechterhaltung) gewinnen verhaltensorientierte Strategien an Bedeutung. Rückfälle sind im Modell als Teil des Veränderungsprozesses vorgesehen; die Prozesse können erneut aktiviert werden.

Erfahrungs- und bewusstseinsbezogene Prozesse

  1. Bewusstseinsbildung (Consciousness Raising)
    Zunahme an Wissen über Ursachen, Folgen und Interventionsmöglichkeiten (z. B. Information über gesundheitliche Risiken).
  2. Emotionale Erleichterung (Dramatic Relief)
    Affektive Reaktionen auf gesundheitsbezogene Informationen (z. B. Betroffenheit, Angst, Hoffnung).
  3. Selbstneubewertung (Self-Reevaluation)
    Neubewertung des eigenen Selbstbildes im Zusammenhang mit dem problematischen Verhalten („Wer bin ich mit bzw. ohne dieses Verhalten?“).
  4. Umweltneubewertung (Environmental Reevaluation)
    Reflexion der Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf das soziale Umfeld.
  5. Soziale Befreiung (Social Liberation)
    Wahrnehmung gesellschaftlicher Veränderungen oder unterstützender Strukturen, die gesundes Verhalten erleichtern.

Handlungs- und verhaltensorientierte Prozesse

  1. Selbstverpflichtung (Self-Liberation)
    Feste Entscheidung und Überzeugung, das Verhalten ändern zu können (Commitment).
  2. Gegenkonditionierung (Counterconditioning)
    Ersetzen problematischer Verhaltensweisen durch alternative, gesündere Handlungen.
  3. Reizkontrolle (Stimulus Control)
    Vermeidung oder Umgestaltung von Situationen, die problematisches Verhalten auslösen.
  4. Verstärkungsmanagement (Reinforcement Management)
    Belohnung erwünschten Verhaltens bzw. Reduktion von Verstärkern für das problematische Verhalten.
  5. Unterstützende Beziehungen (Helping Relationships)
    Nutzung sozialer Unterstützung (z. B. Beratung, Selbsthilfegruppen).

Quellen