Thomas E. Dorner, Matthias Egger, Lotte Habermann-Horstmeier
Ebenso wie in anderen Bereichen können sich Menschen auch in Bezug auf ihre Gesundheit unterschiedlich verhalten. Solches Gesundheitsverhalten kann sich positiv oder negativ auf die Gesundheit auswirken. Selbst Verhaltensweisen, die nicht direkt auf die Gesundheit eines Menschen ausgerichtet sind, können die Gesundheit beeinflussen: So kann sich Stress z.B. entscheidend auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität eines Menschen auswirken. Der Erwerb von Gesundheitskompetenz, d.h. von individuellen Fähigkeiten, die es ermöglichen, förderlich mit der eigenen Gesundheit und der Gesundheit Anderer umzugehen, kann zu einem persönlichen Gesundheitsgewinn und einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Gesundheit führen.
Nachdem wir uns verschiedene Erklärungsmodelle des Gesundheitsverhaltens angeschaut haben, betrachten wir jeweils kurz die wichtigsten Gesundheitsverhaltensweisen, die sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken: Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholmissbrauch, Rauchen und Stress. Sie sind meist Teil eines gesundheitsrelevanten Lebensstils und können erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen haben. Zur Umsetzung von Lebensstiländerungen bedarf es einer entsprechenden Gesundheitskompetenz.
Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, zusätzliches Web-Boxen und -Tabellen sowie weiterführende Internetquellen zu den Themen.
Lehrbücher
- Glanz K, Rimer BK, Viswanath K, editors. Health behavior: theory, research, and practice. Sixth edition. Hoboken, New Jersey: Jossey-Bass; 2024.
- Schwarzer R, editor. Self-efficacy: thought control of action. London: Routledge; 2014.
- Fishbein M, Ajzen I. Predicting and Changing Behavior. The Reasoned Action Approach. New York Hove: Psychology Press; 2011.
- Pleasant A, Greer DS, Zarcadoolas C. Advancing health literacy: a framework for understanding and action. San Francisco, Calif.: Jossey-Bass; 2013.

Klassische Artikel und Berichte
- Nutbeam D. Health literacy as a public health goal: a challenge for contemporary health education and communication strategies into the 21st century. Health Promot Int. 2000;15: 259–267.
- Kannel WB, Dawber TR, Kagan A, Revotskie N, Stokes J. Factors of risk in the development of coronary heart disease–six year follow-up experience. The Framingham Study. Ann Intern Med. 1961;55: 33–50.
- Rosenstock IM. The Health Belief Model and Preventive Health Behavior. Health Education Monographs. 1974;2: 354–386.
- Rosenstock IM. Historical Origins of the Health Belief Model. Health Education Monographs. 1974;2: 328–335.
- Krieger N. Theories for social epidemiology in the 21st century: an ecosocial perspective. Int J Epidemiol. 2001;30: 668–677.
- Prochaska JO, DiClemente CC. Stages and processes of self-change of smoking: toward an integrative model of change. J Consult Clin Psychol. 1983;51: 390–395.
- Kaufman JS, Poole C. Looking back on “causal thinking in the health sciences.” Annu Rev Public Health. 2000;21: 101–119.
- World Health Organization, Ilona Kickbusch, Jürgen M. Pelikan et al. (2013). Health literacy : The solid facts
- Sørensen K, Pelikan JM, Röthlin F, Ganahl K, Slonska Z, Doyle G, et al. Health literacy in Europe: comparative results of the European health literacy survey (HLS-EU). Eur J Public Health. 2015;25: 1053–1058.
Weiterführende Literatur zu Rauchen und Nikotin
- WHO report on the global tobacco epidemic, 2025: warning about the dangers of tobacco
- The Tobacco Papers. Truth Tobacco Industry Documents Library.
- Hurt RD, Robertson CR. Prying open the door to the tobacco industry’s secrets about nicotine: the Minnesota Tobacco Trial. JAMA. 1998 Oct 7;280(13):1173–81.
- Bero L. Implications of the tobacco industry documents for public health and policy. Annu Rev Public Health. 2003;24:267–88.
- World Health Organiztion. WHO Framework Convention on Tobacco Control
- World Health Organiztion. WHO. Electronic nicotine and non-nicotine delivery systems: a brief.
- Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette). Gesundheitswesen 2015; 77: 508–511.
- National Institute of Clinical Excellence. Tobacco: preventing uptake, promoting quitting and treating dependence NICE guideline NG209.
- Medienmitteilung der Universität Bern: E-Dampfer helfen beim Rauchstopp, aber nicht unbedingt beim Nikotinstopp.
Box. Zehn Prozesse der Verhaltensänderung im Transtheoretischen Modell (TTM)
Das Transtheoretische Modell nach Prochaska und DiClemente beschreibt neben den fünf Stadien der Verhaltensänderung zehn sogenannte Prozesse der Veränderung. Diese Prozesse bezeichnen kognitive, affektive und verhaltensbezogene Strategien, die Personen dabei unterstützen, von einer Motivationsstufe zur nächsten zu gelangen. Sie sind nicht strikt stadiengebunden, werden jedoch je nach Phase unterschiedlich häufig eingesetzt. In frühen Stadien (Absichtslosigkeit, Absichtsbildung) dominieren kognitive und affektive Prozesse. In späteren Stadien (Vorbereitung, Handlung, Aufrechterhaltung) gewinnen verhaltensorientierte Strategien an Bedeutung. Rückfälle sind im Modell als Teil des Veränderungsprozesses vorgesehen; die Prozesse können erneut aktiviert werden.
Erfahrungs- und bewusstseinsbezogene Prozesse
- Bewusstseinsbildung (Consciousness Raising)
Zunahme an Wissen über Ursachen, Folgen und Interventionsmöglichkeiten (z. B. Information über gesundheitliche Risiken). - Emotionale Erleichterung (Dramatic Relief)
Affektive Reaktionen auf gesundheitsbezogene Informationen (z. B. Betroffenheit, Angst, Hoffnung). - Selbstneubewertung (Self-Reevaluation)
Neubewertung des eigenen Selbstbildes im Zusammenhang mit dem problematischen Verhalten („Wer bin ich mit bzw. ohne dieses Verhalten?“). - Umweltneubewertung (Environmental Reevaluation)
Reflexion der Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf das soziale Umfeld. - Soziale Befreiung (Social Liberation)
Wahrnehmung gesellschaftlicher Veränderungen oder unterstützender Strukturen, die gesundes Verhalten erleichtern.
Handlungs- und verhaltensorientierte Prozesse
- Selbstverpflichtung (Self-Liberation)
Feste Entscheidung und Überzeugung, das Verhalten ändern zu können (Commitment). - Gegenkonditionierung (Counterconditioning)
Ersetzen problematischer Verhaltensweisen durch alternative, gesündere Handlungen. - Reizkontrolle (Stimulus Control)
Vermeidung oder Umgestaltung von Situationen, die problematisches Verhalten auslösen. - Verstärkungsmanagement (Reinforcement Management)
Belohnung erwünschten Verhaltens bzw. Reduktion von Verstärkern für das problematische Verhalten. - Unterstützende Beziehungen (Helping Relationships)
Nutzung sozialer Unterstützung (z. B. Beratung, Selbsthilfegruppen).
Quellen
- Prochaska JO, DiClemente CC. Stages and processes of self-change of smoking: toward an integrative model of change. J Consult Clin Psychol. 1983 Jun;51(3):390–5.
- Prochaska JO, Velicer WF. The transtheoretical model of health behavior change. Am J Health Promot. 1997;12(1):38–48.
- Prochaska JO, DiClemente CC, Norcross JC. In search of how people change. Applications to addictive behaviors. Am Psychol. 1992 Sep;47(9):1102–14.