Matthias Egger, Oliver Razum, Anita Rieder (Hrsg.)
Kap. 2.5 Gesundheitsökonomie
David Schwappach
Dieser Abschnitt führt in die ökonomische Analyse von Entscheidungen im Gesundheitssystem ein, die vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen getroffen werden müssen. Es zeigt, wie wirtschaftswissenschaftliche Konzepte genutzt werden, um Kosten und Nutzen gesundheitlicher Maßnahmen systematisch zu vergleichen und Entscheidungsprozesse transparent zu unterstützen. Zentral sind gesundheitsökonomische Evaluationsstudien, insbesondere Kosten-Effektivitäts-, Kosten-Nutzwert- und Kosten-Nutzen-Analysen. Das Kapitel erläutert, wie Nutzen gemessen wird – etwa in natürlichen Einheiten oder in qualitätsadjustierten Lebensjahren (QALYs) – und welche Kostenarten (direkte, indirekte und intangible Kosten) berücksichtigt werden. Besonderes Gewicht liegt auf der inkrementellen Betrachtungsweise, die den zusätzlichen Mitteleinsatz für zusätzlichen Nutzen (ICER) bewertet. Abschließend behandelt das Kapitel die Interpretation gesundheitsökonomischer Ergebnisse und deren Bedeutung für gesundheitspolitische Entscheidungen. Es macht deutlich, dass gesundheitsökonomische Analysen keine automatischen Entscheidungen liefern, sondern eine wichtige Grundlage für informierte Abwägungen zwischen Effizienz, Gerechtigkeit und ethischen Kriterien darstellen.
Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, ergänzende Boxen, einen Link zu einem internetbasierten Tutorium sowie weiterführende Internetquellen zum Thema.
Folland S, Goodman AC, Stano M, Danagoulian S. The economics of health and health care. 9th edition. New York: Routledge/Taylor & Francis Group; 2024. 739 p.
Neumann PJ, Sanders GD, Russell LB, Siegel JE, Ganiats TG, editors. Cost effectiveness in health and medicine. Second edition. Oxford ; New York: Oxford University Press; 2017. 496 p.
Zusätzliche Boxen
(1) Ergänzende Box zu Gesundheitsökonomische Studientypen
Fallbeispiel zur Berechnung des Kosten/Nutzen-Quotienten
Mit dem Medikament A werden die Symptome der Pollenallergie behandelt. Die Behandlung kostet pro Patient 2.400 € im Jahr. Die behandelten Patienten berichten im Durchschnitt, dass sie an 240 Tagen beschwerdefrei waren.
Das alternative Medikament B ist neu und mit Kosten von 3.100 € im Jahr deutlich teurer. Allerdings werden damit fast alle Patienten dauerhaft beschwerdefrei. Im Durchschnitt berichten sie 350 beschwerdefreie Tage.
Im Durchschnitt muss also mit Medikament B pro beschwerdefreiem Tag weniger Geld aufgewendet werden.