Kap. 6.6 Lärm

Martin Röösli, Andreas Seidler, Melanie Schubert, Hans-Peter Hutter

Schall ist ein alltäglicher Bestandteil unseres Lebens. Er ermöglicht Kommunikation, Orientierung und dient als Warnsignal. Je nach Intensität, Dauer und individueller Bewertung kann Schall jedoch als Lärm wahrgenommen werden und zu einer Umweltbelastung werden. Im Unterschied zu vielen anderen Umweltfaktoren wird Lärm bewusst wahrgenommen und ist daher nicht nur ein physikalisches, sondern auch ein psychologisches und soziales Phänomen.

Zu Beginn des Kapitels wird Lärm als unerwünschter oder störender Schall definiert. Dabei ist nicht nur der Schalldruckpegel entscheidend, sondern vor allem die subjektive Bewertung: Derselbe Schall kann je nach Situation, Tageszeit oder Empfindlichkeit unterschiedlich erlebt werden. Neben der Lautstärke beeinflussen auch Frequenz, Dauer, zeitliche Struktur und Kontext die Wahrnehmung. Anschließend werden wichtige Lärmquellen beschrieben, insbesondere Verkehrs-, Industrie-, Bau-, Freizeit- und Nachbarschaftslärm. In industrialisierten Ländern ist vor allem Verkehrslärm die wichtigste chronische Belastung. Da viele Menschen dauerhaft in lärmbelasteten Wohngebieten leben, ist Lärm ein bedeutendes Public-Health-Thema.

Im weiteren Verlauf behandelt das Kapitel die gesundheitlichen Folgen von Lärm. Neben Gehörschäden wie Schwerhörigkeit oder Tinnitus kann Lärm auch nicht-auditive Effekte verursachen, darunter Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Stressreaktionen und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders empfindlich sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Abschließend werden Maßnahmen des Lärmschutzes dargestellt. Dazu zählen technische Maßnahmen an der Quelle, baulicher Schallschutz, raumplanerische Konzepte, individuelles Verhalten sowie gesetzliche Regelungen und Grenzwerte. Insgesamt wird deutlich, dass wirksamer Lärmschutz technische, politische und gesellschaftliche Maßnahmen erfordert.

Literaturquellen

WHO-commissioned reviews to inform guidelines

SiRENE Studie

SiRENE (Short and Long Term Effects of Transportation Noise Exposure) war ein grosses Schweizer Forschungsprogramm (Kernprojekt 2014–2017), das untersuchte, wie Verkehrslärm von Strasse, Schiene und Flugverkehr die Gesundheit beeinflusst. Dazu kombinierte SiRENE schweizweite Lärm-Expositionsmodelle mit Schlaflabor-Experimenten, einer Bevölkerungsbefragung zur Belästigung sowie epidemiologischen Analysen in grossen Kohorten (u. a. Swiss National Cohort und SAPALDIA). Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass Verkehrslärm – insbesondere nachts und teils auch bei Pegeln unter gängigen Richtwerten – mit Schlafstörungen und erhöhten Risiken für kardiometabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen zusammenhängen kann, und liefern damit wichtige Grundlagen für Prävention und Lärmschutzpolitik in der Schweiz.

NORAH Studie

Die NORAH-Lärmwirkungsstudie („Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health“) war eine grosse, interdisziplinäre deutsche Feldstudie – vor allem im Rhein-Main-Gebiet (mit Anteilen um weitere Flughäfen) – die untersuchte, wie Flug-, Schienen- und Strassenverkehrslärm Gesundheit und Lebensqualität beeinflusst. Sie war als Konsortium aus Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaften und Akustik/Physik angelegt und gliederte sich in mehrere Module (u. a. Belästigung/Lebensqualität, Schlaf, Krankheitsrisiken, Blutdruck und kognitive Entwicklung von Kindern); laut Projektseite sind die Erhebungen inzwischen abgeschlossen. Zentrale Befunde: Fluglärm wird bei vergleichbaren Pegeln häufig als stärker belästigend wahrgenommen als andere Verkehrslärmarten, und es fanden sich Hinweise auf negative gesundheitliche Effekte bei dauerhafter Exposition (je nach Endpunkt und Lärmquelle), was die Studie als wichtige Grundlage für Lärmschutz-Diskussionen im Umfeld des Frankfurter Flughafens positioniert.

Nationale Internetquellen

Schweiz

Deutschland

  • Bayerisches Landesamt für Umwelt (LFU). Lärm– unausweichlich störend
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit (BMU). Lärmschutz
  • Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Umgebungslärm
  • Umweltbundesamt (UBA). Lärm

Österreich

  • Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Lärminfo.at. Lärmschutz für Österreich