Kap. 8.2. Burden of Disease

Matthias Egger, Lotte Habermann-Horstmeier

Das Konzept der Krankheitslast (Burden of Disease) beschreibt die Auswirkungen von Krankheiten und Behinderungen auf die Gesundheit einer Bevölkerung. Es erfasst nicht nur Sterblichkeit und Morbidität, sondern auch den Verlust gesunder Lebensjahre und dient damit als Maß für die Lücke zwischen dem aktuellen Gesundheitszustand und einem idealen Leben ohne Krankheit und Behinderung. Zentrale Kennzahl ist das Disability-Adjusted Life Year (DALY), das ein verlorenes gesundes Lebensjahr darstellt. DALYs setzen sich aus den durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahren (Years of Life Lost, YLL) und den mit Krankheit oder Behinderung gelebten Jahren (Years Lived with Disability, YLD) zusammen.

Die weltweit bedeutendste Datengrundlage ist die Global Burden of Disease Study (GBD), die Krankheitslasten für über 200 Länder vergleichbar analysiert. Ergänzend berechnen nationale Studien wie BURDEN 2020 in Deutschland die Krankheitslast auf Länder- und Regionalebene. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Art und Umfang der Krankheitslast stark nach Lebensphase, Geschlecht und Region unterscheiden. Während in frühen Lebensphasen angeborene Erkrankungen und Infektionen dominieren, prägen im Erwachsenenalter vor allem chronische, nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder psychische Störungen die Krankheitslast.

Trotz ihres hohen Nutzens für Prioritätensetzung und Gesundheitspolitik sind Krankheitslastschätzungen mit Unsicherheiten behaftet, etwa aufgrund lückenhafter Daten oder methodischer Annahmen. Sie sollten daher stets kritisch interpretiert werden.