Philipp Jent, Heimo Lagler, Christian Gatterer, Christian Althaus, Cornelia Staehelin
Die Überwachung (Surveillance) von Infektionskrankheiten ist ein zentrales Instrument des Public Health. Sie wird als kontinuierliche, systematische Erhebung, Analyse und Interpretation von Gesundheitsdaten definiert, die für die Planung, Umsetzung und Evaluation von Public-Health-Maßnahmen unerlässlich sind. Hauptziel der Überwachung ist es, Veränderungen der Neuerkrankungsraten frühzeitig zu erkennen, um geeignete Kontroll- und Präventionsmaßnahmen einleiten zu können. Von besonderer Bedeutung ist dabei die zeitnahe Veröffentlichung der erhobenen und ausgewerteten Daten, um rasches Handeln zu ermöglichen.
Die Überwachung von Infektionskrankheiten erfolgt auf der Grundlage nationaler und internationaler gesetzlicher Regelungen und Meldepflichten. In Deutschland ist das Robert Koch-Institut (RKI) die zentrale Einrichtung für Krankheitsüberwachung und -prävention, in der Schweiz das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und in Österreich das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Diese Institutionen übernehmen eine wichtige Frühwarnfunktion, koordinieren Maßnahmen und informieren Fachkreise sowie die Öffentlichkeit.
Die Datenerhebung erfolgt über passive und aktive Meldesysteme. Passive Überwachung nutzt routinemäßig erhobene Daten, während aktive Überwachung gezielt zusätzliche Informationen sammelt und dadurch präzisere Aussagen ermöglicht. Für Infektionen mit hoher Fallzahl oder geringer Schwere werden häufig Sentinella-Systeme eingesetzt, die auf Stichproben basieren. Ergänzt werden nationale Systeme durch internationale Netzwerke, insbesondere unter der Koordination der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine zentrale Rolle in der globalen Überwachung und Reaktion auf grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen spielt.
Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, ergänzende Abbildungen sowie weiterführende Internetquellen zum Thema.
Literaturquellen
Webber R. Communicable Disease Epidemiology and Control: A Global Perspective. 3rd ed. Wallingford: CABI Publishing, 2009
Empfohlene Vertiefungsliteratur
Frank C et al. Epidemic profile of Shiga-toxin-producing Escherichia coli O104:H4 outbreak in Germany. N Engl J Med 2011. Nov 10;365(19):1771-80
Zusätzliche Abbildungen
Web-Abb. 9.2.1 Daten- und Informationsfluss vom und zum Robert Koch-Institut während der EHEC/HUS-Epidemie[1] in Deutschland im Frühjahr 2011

[1] EHEC = enterohämorrhagische Escherichia coli; HUS = hämolytisch-urämisches Syndrom
Quelle: Robert Koch-Institut (RKI). Intensivierte Surveillance während des großen EHEC-/HUS-Ausbruchs in Deutschland, Mai – Juni 2011. Epidemiologisches Bulletin Nr. 25 vom 27.Juni 2011Deutschland; http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/rebjRnytx3FA/PDF/26lqOTQb5TULM.pdf
Web-Abb. 9.2.2 Die Abbildung zeigt die Anzahl der an das RKI übermittelten HUS-Fälle im Rahmen der EHEC-Epidemie nach dem Datum des Erkrankungsbeginns (Durchfall). Farblich dargestellt ist der Zeitpunkt (Woche des Eingangs der Meldung am RKI), an dem die Erkrankungsfälle an das RKI übermittelt wurden. Es ist zu beachten, dass die Symptome der HUS-Erkrankung ungefähr fünf Tage nach Beginn des Durchfalls beginnen und erst dann eine HUS-Diagnose möglich ist. Datenstand: 26.6.2011

Quelle: Robert Koch-Institut; http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/EHEC/HUS-Epidemie-Kurve_2011.pdf?__blob=publicationFile
Internetquellen zum Thema
Daten aus Deutschland:
- Infektionsschutzgesetz in Deutschland: Gesetzliche Grundlagen
- SurvStat@RKI. Abfrage der Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) über das Web:
- Die foodwatch-Analyse zur EHEC-Epidemie (2012)
- ARS – Antibiotika-Resistenz-Surveillance, RKI
Daten aus der Schweiz:
- Epidemiengesetz in der Schweiz
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Zahlen zu Infektionskrankheiten
- Das Sentinella Meldesystem in der Schweiz
- Anresis, Nationales Überwachungssystem von Antibiotikaresistenzen
Daten aus Österreich:
- MedUni Wien. Univ. Klinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle. Austrian Nosokomial Infection Surveillance System (ANISS);
- MedUni Wien. Univ. Klinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle. Meldepflichtige Krankheiten
Internationale Daten:
- Global Outbreak Alert and Response Network der WHO (GOARN)
- Länderübergreifende europäische Daten – European Centre for Disease Prevention and Control
- ECDC, European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net); Surveillance and disease data for antimicrobial resistance und EARS-Net Reporting protocol 2023
- ECDC: Healthcare-associated Infections Surveillance Network (HAI-Net)
( All accessed 24 October 2023)