Kap. 6.3 Boden

Michael Kundi, Daniela Haluza

Der Boden bildet eine zentrale Lebensgrundlage für den Menschen und ist für das Funktionieren terrestrischer Ökosysteme von entscheidender Bedeutung. Er stellt nicht nur die Basis für die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion dar, sondern erfüllt auch wichtige ökologische Funktionen, etwa im Wasserhaushalt, im Stoffkreislauf sowie beim Schutz vor Erosion und Überschwemmungen. Trotz dieser grundlegenden Bedeutung wurde der Zusammenhang zwischen Bodenzustand und menschlicher Gesundheit lange Zeit unterschätzt. Erst seit den 1970er Jahren rückte der Bodenschutz verstärkt in den Fokus von Umwelt- und Gesundheitspolitik.

Böden wirken als natürliche Filter, Speicher und Transformationsräume für Wasser und Schadstoffe. Diese Funktionen tragen wesentlich zur Qualität von Trinkwasser und Nahrungsmitteln bei. Werden Böden jedoch durch menschliche Aktivitäten belastet oder geschädigt, kann dies direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Schadstoffe wie Schwermetalle, persistente organische Verbindungen, Pestizide oder Industriechemikalien können in den Boden gelangen und dort langfristig akkumulieren. Über Pflanzen, Tiere und das Trinkwasser können sie in die Nahrungskette eintreten und so den menschlichen Organismus erreichen. Je nach Art, Konzentration und Expositionsdauer können solche Stoffe akute oder chronische Gesundheitsstörungen verursachen.

Die Belastung von Böden erfolgt auf vielfältige Weise. Zu den wichtigsten Quellen zählen industrielle Emissionen, unsachgemäße Abfallentsorgung, intensive Landwirtschaft mit hohem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie Altlasten aus früheren Nutzungen, etwa ehemalige Industrie- oder Militärstandorte. Auch Verkehr und Siedlungsentwicklung tragen zur Bodenversiegelung und -degradation bei. Versiegelte Böden verlieren ihre natürlichen Funktionen weitgehend, was negative Folgen für den Wasserabfluss, das Mikroklima und die biologische Vielfalt hat.

Neben chemischen Belastungen spielen auch physikalische und biologische Aspekte eine Rolle. Bodenerosion durch Wind und Wasser kann fruchtbare Bodenschichten abtragen und damit die landwirtschaftliche Produktivität gefährden. Gleichzeitig erhöht sie das Risiko, dass Schadstoffe in Oberflächengewässer gelangen. Mikroorganismen im Boden sind grundsätzlich wichtig für Nährstoffkreisläufe, können jedoch unter bestimmten Bedingungen auch Krankheitserreger beherbergen, etwa bei mangelhafter Abwasser- oder Abfallbehandlung.

Die Auswirkungen von Bodenschäden betreffen nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Bevölkerungsgruppen und Regionen. Besonders vulnerable Gruppen, wie Kinder oder Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status, können stärker betroffen sein, etwa durch erhöhte Schadstoffexposition oder eingeschränkten Zugang zu unbelasteten Lebensmitteln. Damit wird Bodenschutz auch zu einer Frage der gesundheitlichen Chancengleichheit.

Profiles für das gesamte Kapitel 6:

GO 4.1, GO 4.2, GO 4.5, GO 5.2, GO 5.3

Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur sowie weiterführende Internetquellen zum Thema. 

Literaturquellen

  • Blume H-P. Handbuch des Bodenschutzes , Wiley-VCH Verlag; 3. Auflage, 2007
  • Bodenschutzkonzeption der Bundesregierung 1985, Bundestagsdrucksache 10/2977 v. 7.3.1985
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Boden
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Ernährungswirtschaft: Versorgungsbilanzen
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Welternährung verstehen. Fakten und Hintergründe (Stand: August 2018)
  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Dossier Welternährung
  • Charles R, Wendling M, Burgos S. Boden und Nahrungsmittelproduktion. Thematische Synthese TS1 des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden» (NFP 68). Bern: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung snf, 2018
  • Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, SCNAT – ProClim, Umweltbundesamt GmbH. IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL). Hauptaussagen des IPCC-Sonderberichts über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen. Version vom 17. Juli 2020
  • Glover JD, Reganold JP, Cox CM. Plant perennials to save Africa’s soil. Nature 2012; 489:359-361
  • Malm O. Gold mining as a source of mercury exposure in the Brazilian Amazon. Environ Res 1998; 77(2): 73-8.
  • Osborn SG, Vengosh A, Warner NR, Jackson RB. Methane contamination of drinking water accompanying gas-well drilling and hydraulic fracturing. Proc Natl Acad Sci U S A. 2011;108(20):8172-6.
  • Pimentel D, Harvey C, Resosudarmo P, Sinclair K, Kurz D, McNair M, Crist S, Shpritz L, Fitton L, SaffouriR, Blair R. Environmental and economic costs of soil erosion and conservation benefits. Science 1995; 267(5201):1117-1123.
  • Razo I, Carrizales L, Castro J, Díaz-Barriga F, Monroy M. Arsenic and heavy metal pollution of soil, water and sediments in a semi-arid climate mining area in Mexico. Water, Air & Soil Pollution 2004; 152: 129
  • Schweizer Bundesgesetz über  den  Umweltschutz  vom  7.  Oktober  1983  (Umweltschutzgesetz, USG, SR 814.01)
  • Van den Berg B, Grievink L, Gutschmidt K, Lang T, Palmer S, Ruijten M, Stumpel R, Yzermans, J. The Public Health Dimension of Disasters—Health Outcome Assessment of Disasters. Prehospital and Disaster Medicine 2012; 23(S2):s55–s59; 
  • Verordnung über Belastungen des Bodens vom 1. Juli 1998 (VBBo, SR 814.12; CH)
  • Wenzel WW, Blum WEH. Bodenschutzkonzeption, Bodenzustandsanalyse und Konzepte für den Bodenschutz in Österreich. 1989
  • Wölz J, Schulze T, v.Urte Lübcke V, Fleig M, Reifferscheid G, Brack W, Kühlers D, Braunbeck T, Hollert H. Investigation on soil contamination at recently inundated and non-inundated sites. J Soils Sediments 2011; 11: 82.

 

Empfohlene Vertiefungsliteratur

Internetquellen zum Thema

(All accessed 31 October 2023)