Kap. 6.4 Luft

Hanns Moshammer, Mandukhai Ganbat, Matthias Egge

Seit der Industrialisierung hat sich Luftverschmutzung zu einem globalen Umwelt- und Gesundheitsproblem entwickelt. Ein Wendepunkt war der „Great Smog of London“ 1952, der die schweren gesundheitlichen Folgen verschmutzter Luft deutlich machte und zu ersten Luftreinhaltegesetzen führte.

Luftverschmutzung entsteht durch feste und gasförmige Schadstoffe aus Verkehr, Industrie, Energieerzeugung, Landwirtschaft und Haushalten. Dazu gehören primäre Schadstoffe wie Feinstaub, Stickoxide oder Schwefeldioxid sowie sekundäre Schadstoffe wie bodennahes Ozon. Auch die Innenraumluft kann durch Rauch, Verbrennungsprozesse, Schimmel oder Chemikalien belastet sein. Die gesundheitlichen Folgen reichen von Atemwegsreizungen und Asthmaanfällen bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD, Lungenkrebs und einer erhöhten Sterblichkeit. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen. Die Belastung ist weltweit und sozial ungleich verteilt. Luftreinhaltung ist daher ein zentrales Public-Health-Ziel und zugleich eng mit dem Klimaschutz verbunden.

Quellen

Zusätzliche Abbildung

Die Abbildung dokumentiert die Abhängigkeit chronischer Gesundheitsparameter von der Distanz der Wohnadresse zu stark befahrenen Verkehrsachsen. Dargestellt ist die adjustierte Prävalenz chronischer Bronchitis in Abhängigkeit zur Wohndistanz von der Schweizer Nord-­‐Süd-­‐Transitachse (Autobahn).

Quelle der Abbildung: Hazenkamp-von Arx ME, Schindler C, Ragettli MS, Künzli N, Braun-Fahrländer C, Liu L-JS. Impacts of highway traffic exhaust in alpine valleys on the respiratory health in adults: a cross-sectional study. Environmental Health 2011; 10: 13 (http://www.ehjournal.net/content/10/1/13/figure/F3)

Zusätzliche Boxen

Aktionsprogramm “Berlin qualmfrei”

Quelle der Abbildung: Nic Neish, 123RF Limited

»Kann die Hauptstadt Berlin auch zur Hauptstadt des Nichtrauchens werden? Wir meinen sie sollte!« So startete die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz in Berlin am 2. September 2004 eine große Kampagne zur Förderung des Nichtrauchens. Zum Startzeitpunkt der Kampagne hatte Berlin im Vergleich zu den anderen Bundesländern den mit Abstand höchsten Raucheranteil in der Bevölkerung. Im Rahmen eines dreijährigen Aktionsprogramms sollten verhältnisbezogene Maßnahmen zur Verringerung des Tabakkonsums miteinander verbunden und durch neue Präventionskampagnen ergänzt werden (vgl. Aktionsprogramm „Berlin qualmfrei

Verhaltensprävention

  • Massenmediale und andere Informationskampagnen zum Nichtrauchen und Passivrauchen
  • Bündelung bekannter und Entwicklung neuer Raucherentwöhnungsangebote
  • zielgruppenspezifische verhaltenspräventive Maßnahmen (z.B. für SchülerInnen, MigrantInnen, Schwangere) sowie kiezbezogene Arbeit

Verhältnisprävention

  • Rauchfreie Einrichtungen (Schulen, Jugendeinrichtungen, Kindertagesstätten, Universitäten, Sportvereine, Krankenhäuser, Öffentlicher Gesundheitsdienst, Rathäuser und Betriebe u.a.)
  • Kontrolle der Umsetzung von Richtlinien der Arbeitsstättenverordnung und des Nichtraucherschutzes in Betrieben, Krankenhäusern, Restaurants und Verwaltung
  • Initiativen im Vorfeld gesetzlicher Regelungen: Bannmeile für Zigarettenautomaten und Tabakwerbung von 250 m im Umfeld von Schulen; kein Rauchen in Autos, in denen Kinder mitfahren; Unterbindung des Verkaufs von Zigaretten durch Pächter in Krankenhäusern, Rathäusern u.a.; Einschränkung der Tabakwerbung auf bezirkseigenen Grundstücken und öffentlichem Straßenland
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für ein umfassendes Werbeverbot und gegen Sponsoring der Tabakindustrie (s. WHO-Rahmenübereinkommen)
  • Unterstützung von Gesetzesinitiativen zur Steuererhöhung, Einsatz der Steuern für Tabakprävention; Werbeverbot

Seit Oktober 2007 wird das Programm von der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin weitergeführt. Aktuelle Einschulungsuntersuchungen zeigen, dass sich der Anteil der ErstklässlerInnen, die aus Nichtraucherhaushalten kommen, zwischen 2005 und 2010 um fast zehn Prozent erhöht hat. Trotzdem liegt der Anteil der RaucherInnen in Berlin noch immer bei 31%. Infos hierzu unter:

Tabakatlas Deutschland 2020

Zusätzliche Tabellen

Beispiele für den potentiellen gesundheitlichen Nutzen einer reduzierten Schadstoffbelastung mit Feinstaub (PM10) in verschiedenen Regionen Europas. Es wird hierfür angenommen, dass die aktuellen Schadstoffkonzentrationen auf die im Szenario vorgeschlagenen Werte vermindert werden.

Die Bundesämter für Umwelt bieten auf ihren Internetseiten Informationen über Schadstoffe, Quellen, Auswirkungen, die aktuellen Luftbelastungen und die Gesetzgebung im Bereich Luft:

Schweiz: Bundesamt für Umwelt -> Luft. Eine ständig aktualisierte, ausführliche Datenbank zu Luftverschmutzungsstudien wird vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut betreut; LUDOK

Deutschland: Umweltbundesamt – > Luft

Österreich: Umweltbundesamt -> Luft

EU: European Environment Agency -> Air Pollution

Die bedeutendsten Langzeitstudien der Schweiz, Deutschlands, Österreichs und der Europäischen Union im Bereich der Luftverschmutzung finden Sie unter