Kap. 9.3 Epidemiologie wichtiger Infektionskrankheiten

Philipp Jent, Heimo Lagler, Christian Gatterer, Christian Althaus, Cornelia Staehelin

Dieser Abschnitt beschreibt die globale und regionale Bedeutung wichtiger Infektionskrankheiten und ordnet sie in Bezug auf Krankheitslast, Übertragungswege und Präventionsmöglichkeiten ein. Laut der Global Burden of Disease Study waren im Jahr 2021 weltweit rund 20 % aller Todesfälle auf Infektionskrankheiten zurückzuführen, mehr als die Hälfte davon infolge von COVID-19. Der Anteil an der globalen Krankheitslast (DALYs) ist in Ländern mit niedrigem sozio-demografischem Index besonders hoch und betrifft dort vor allem Kinder unter fünf Jahren. Akute respiratorische Infektionen und Durchfallerkrankungen spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Die Influenza, die durch Antigendrift regelmäßig zu saisonalen Epidemien führt, gefährdet vor allem ältere Menschen. Ein weitere wichtige Infektionskrankheit ist die Tuberkulose, die trotz verfügbarer Therapie weltweit verbreitet ist, vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen und bei immungeschwächten Personen. Multiresistente Erreger stellen dabei eine zunehmende Herausforderung dar.

Weitere Schwerpunkte sind vektorübertragene Infektionskrankheiten, sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV/AIDS, nosokomiale Infektionen sowie Antibiotikaresistenzen. Zunehmende Mobilität und Globalisierung erhöhen zudem die Bedeutung reiseassoziierter Infektionen. Infektionskrankheiten hängen stark von sozialen, ökologischen und gesundheitssystemischen Faktoren abhängen und ihre Kontrolle koordinierte Public-Health-Maßnahmen erfordert.

Auf dieser Seite finden Sie die in diesem Kapitel verwendeten Literaturquellen, Hinweise zu empfohlener Vertiefungsliteratur, ergänzende Abbildungen und Tabellen sowie weiterführende Internetquellen zum Thema.

 

Literaturquellen

  • Bundesamt für Gesundheit (BAG). Covid-19
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG). Impfungen und Malariaschutz bei Auslandreisen
  • Cohen, M. L. Changing patterns of infectious disease. Nature 2000; 406: 762–767.
  • Christu L. The global burden of bacterial and viral zoonotic infections. Clin Microbiol Infect 2011; 17: 326–330.
  • Gastmeier P, Geffers C. Nosokomiale Infektionen in Deutschland: Wie viele gibt es wirklich? Eine Schätzung für das Jahr 2006. Dtsch Med Wochenschr 2008; 133: 1111–1115.
  • Hotez PJ. Forgotten people, forgotten diseases: the neglected tropical diseases and their impact on global health and development. Washington, DC: ASM Press, 2008; page 215.
  • Hotez PJ et al. Rescuing the bottom billion through control of neglected tropical diseases. Lancet 2009; 373: 1570-1575.
  • Matthews K. Controlling and Coordinating Development in Vector-Transmitted Parasites. Science 2011; 331: 1149.
  • Okie S. A new attack on malaria. New England Journal of Medicine. 2008: 358(23): 2425-8.
  • Robert Koch-Institut (RKI). COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2);
  • Spellberg B, Guidos R, et al. The  Epidemic of Antibiotic-Resistant Infections: A Call to Action for the Medical Community from the Infectious Diseases Society of America.  Clinical Infectious Diseases 2008; 46:155–64.
  • WHO: Global tuberculosis control. WHO report 2020
  • WHO. Towards universal access: scaling up priority HIV/AIDS interventions in the health sector: Progress report 2009;

 

Empfohlene Vertiefungsliteratur

 

Zusätzliche Abbildungen

Web-Abb. Die HIV-Prävalenz bei neuen Tuberkulose-Fällen (2009)

Quelle: WHO. Tuberculosis and HIV data and statistics; http://www.who.int/hiv/topics/tb/data/en/index.html (Quelle nicht mehr zugänglich).

 

Web-Abb. Geographische Verteilung der sieben häufigsten Neglected Tropical Diseases  (NTDs). Hierzu gehören z.B. die Schistosomiasis, Hakenwurminfektionen, der Spulwurmbefall und die afrikanische Schlafkrankheit.

Quelle: Hotez PJ. Forgotten people, forgotten diseases: the neglected tropical diseases and their impact on global health and development. Washington, DC: ASM Press, 2008; 215

 

Web-Abb. Überwachung chirurgischer Wundinfektionen im Rahmen des OP-KISS Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (www.nrz-hygiene.de).

PatientInnen, bei denen ein definierter chirurgischer Eingriff (»Indikator-OP«) durchgeführt werden soll, werden bei Krankenhauseintritt in das Überwachungsprogramm aufgenommen. Um die Anzahl an postoperativen Wundinfektionen zu ermitteln, werden sie postoperativ mindestens bis zum Zeitpunkt ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus weiterverfolgt. Dabei werden auch relevante Daten zu patientengebundenen und exogenen Risikofaktoren erhoben. Ob und in welchem Umfang eine Wundinfektion vorliegt, wird anhand vorgegebener Definitionen festgelegt.

[Hernien-Operation = Bruchoperation, Operation eines Eingeweide-Bruchs, Sectio caesarea = Kaiserschnitt, Cholecytektomie = Entfernung der Gallenblase, Appendektomie = Entfernung des Wurmfortsatzes, umgangssprachlich: „Blinddarm-Entfernung“, Colonchirurgie = Dickdarmoperation, eigentlich: Operation am Grimmdarm]

Quelle: Petra Gastmeier

 

Zusätzliche Tabellen

Web-Tab. Die wichtigsten Zoonosen

 

Web-Tab. Die wichtigsten vektorübertragenen Infektionen

 

Web-Tab. Beispiele von Krankheitserregern, bei denen Resistenzen gegenüber bestimmten Antibiotika bekannt sind.

 

Internetquellen zum Thema

 (All accessed 24 October 2023)